Frauen in Zürich am Ball: Fabienne Humm

Exklusiv-Interview mit FCZ-Kaderspielerin Fabienne Humm

Quelle: Walliser Bote (Link)

Wer: Frauen am Ball
Wann: Immer bei Anpfiff
Wo: Wo das Runde ins Eckige soll
Webhttps://www.fcz.ch/de/frauen/team-kader/

Im sich zu Ende neigenden Jahr 2020 beherrschen ein paar bestimmende Komponenten die Medienlandschaft, Frau rate mal… Genau! Spannender als Aktivitäten von Viren und Machthabern scheint uns das 50-jährige Jubiläum des Frauenfussballs! Anfang 1970 wurde nämlich in der Schweiz eine eigene Liga gegründet, so schreibt das Quartierblatt Zürich West / Zürich 2. – Und auf nationaler Ebene: Das Schweizer Frauen-Nationalteam kämpft um die Qualifikation für die EM-Endrunde in England.

Der Weg bis heute, bis zu einem eigenen Nationalteam bis zur Übertragung von Meisterschaftsspielen auf den offiziellen Schweizer Kanälen, war eher steinig als smooth wie ein Kunstrasen. Wie auch in anderen Sportarten wurde damals im 20. Jahrhundert zum Beispiel der weibliche Körper für den Fussball als ungeeignet eingestuft. 

Es liesse sich hier viel Haarsträubendes auflisten. Wichtiger erscheint uns jedoch der Mut und die Unbeirrbarkeit der Fussballbegeisterten Frauen, die sich für ihre Leidenschaft einsetzten und den Mädchen von heute ein grosses Vorbild sind!

Das Schweizer Frauenfussball-Jubiläum wird aktuell im FCZ-Museum bis Ende 2020 veranschaulicht, dort natürlich mit dem Fokus auf die FCZ-Frauen. (Corona hat leider einen weihnächtlichen Strich durch die Rechnung- oder durch den Museumsbesuch gemacht; hoffentlich wird die Ausstellung noch etwas verlängert!) Eine der FCZ-Frauen, die noch nicht ins Museum gehört, sondern aktiv im 1. Team auf dem Feld zu sehen ist, ist Fabienne Humm. Der weibliche Teil der Zürich-versteckt-Redaktion hatte die Ehre, vergangenen Sommer ein Interview mit der energievollen Stürmerin zu führen! Herzlichen Dank!

 

Interview mit Fabienne Humm (FCZ Kader Frauen)

(Mit Fabienne Humm sprachen Nora Sturzenegger und Tanja Maag)

Fabienne Humm, war Fussball schon immer Ihre Sportart?

Ich habe einen vier Jahre älteren Bruder, der aktiv Fussball spielte. In unserem Dorf gab es damals keinen Verein, so dass meine Mutter meinen Bruder zum Training beim nahen FC Windisch fuhr. Ich begleitete die beiden jeweils. Irgendwann wurde es für mich langweilig, immer zu zuschauen. Mit dem gleichaltrigen Sohn des Trainers begann ich am Spielfeldrand mit «bällele» bis ich schlussendlich ebenfalls im Verein spielte. Bis zur Altersstufe B spielte ich bei den Jungs mit. Es war für alle normal, dass ich da mit dabei war und ich profitierte sehr von diesen gemeinsamen Trainings und Matches.

Können Sie finanziell vom Fussball spielen leben?

Nein, Ich bin 100% berufstätig. Der Fussball ist für mich eher ein «aufwändiges» Hobby.  Der Frauen- Fussball in der Schweiz ermöglicht momentan keine finanzielle Lebensgrundlage.

Eine Profi-Karriere im Ausland war für Sie laut Medienberichten ein Thema. Sie haben sich jedoch entschieden in der Schweiz zu bleiben. – Warum?

In den letzten Jahren erhielt ich mehrere Angebote.  Ich werte aber mein zu Hause und die Sicherheit, die ich hier habe, als gewichtiger und möchte das nicht aufgeben. Zudem schätze ich den Fussball als Hobby und meinen Beruf als Gegenpool dazu. Wichtig bei dieser Kombination ist die Unterstützung des Arbeitgebers, denn im Schnitt beziehe ich 80-100 Tage unbezahlten Urlaub pro Jahr, um für den Fussball unterwegs zu sein. – Ich arbeite immer noch in meinem Lehrbetrieb und erfahre da volles Verständnis.

Wie oft trainieren Sie?

Wir trainieren viermal pro Woche à jeweils 2h und einmal pro Woche wird ein selbstständiges Training erwartet, um an den eigenen Schwachpunkten weiterzuarbeiten.

Müssen im Training alle einmal ins Goal?

Nein, wir sind 23 Spielerinnen, davon 3 Torfrauen, die die fixe Goalie-Position übernehmen.

Auf welcher Position spielen Sie?

Ich spiele vorne im Sturm, auch im Nationalteam.

Gibt es zwischen den beiden Teams, FCZ Frauen und – Männer Berührungspunkte?

Wir haben einen gemeinsamen Sommerstart. Wenn die Männer gegen einen Gegner auf Kunstrasen spielen, trainieren sie auch hier im Heerenschürli. Wir kennen einander und besuchen gegenseitig spezielle Spiele, wie z.B. unsere Champions League Matches.

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfussball?

Wir haben oft Testspiele gegen Jungs auf B-Juniorenstufe. Vom technischen Standpunkt her gibt es keine Unterschiede. Der Unterschied liegt im physischen: Sie sind schneller und kräftiger.

Erfährt der Frauenfussball in der Schweiz heute mehr Anerkennung als früher?

Grundsätzlich ja. Es braucht aber mehr Publizität, vor allem für spezielle Spiele. Wir merken, dass Erfolge des Frauen-Nationalteams die Aufmerksamkeit der Medien und der Menschen auf sich ziehen. Darum ist es wichtig, dass sich das Nationalteam für die grossen Turniere qualifiziert. Insgesamt ist der Frauenfussball athletischer-, technischer- weiblicher- und attraktiver geworden. Wer sich noch nie ein Frauenspiel angeschaut hat, sollte dies tun, ohne vorher ein Urteil zu fällen.

Haben Sie persönlich Erfahrung mit Verletzungen?

Abgesehen von einer Fraktur an der Hand und einer leichten Schulterverletzung bin ich zum Glück verschont geblieben. Häufige Verletzungen in meinem Umfeld sind Knieverletzungen.

Haben Sie Pläne für die Zeit nach Ihrer aktiven Fussballkarriere?

Noch nicht konkret, ich denke, das wird sich ergeben. Durch meine Berufstätigkeit drängen sich Pläne nicht unbedingt auf. Ich könnte mir vorstellen, meine Erfahrungen weiterzugeben, in welcher Form weiss ich noch nicht.